
Als unsere italienischen Gäste vor ein paar Wochen in Recklinghausen waren, haben sich alle bereits kennengelernt und richtig gut verstanden. Trennungsschmerz am Ende inklusive! Deshalb war die Vorfreude auf den Gegenbesuch in Pinerolo im Piemont um so größer!
Untergebracht in den Gastfamilien, haben die deutschen Jugendlichen viel vom Alltag ihrer AltersgenossInnen miterleben können: von unterschiedlichen Essgewohnheiten über ganz anderen Unterricht bis hin zu Freizeit und Sport.



Der erste Tag begann im Sportunterricht, und zwar mit Eislaufen – kein Problem in der Olympia-Region von 2006; hier standen dann auch Teamfähigkeit, Kooperation sowie nonverbale und verbale Kommunikation im Mittelpunkt. Ein gemeinsamer Stadtrundgang durch Pinerolo vermittelte einen ersten Eindruck der Region. Der historische Stadtkern, der trotz seines sanierungsbedürftigen Zustands weitgehend ohne Kriegszerstörungen erhalten geblieben ist, bot einen authentischen Einblick in die lokale Geschichte. Besonders eindrucksvoll war der Besuch des Wochenmarkts am Mittwoch, auf dem regionale wie internationale Produkte angeboten wurden und der das Alltagsleben der Stadt lebendig widerspiegelte.



An drei Tagen nahmen die deutschen Gäste am Unterricht der Italiener*innen teil. Angesichts des stärker frontal ausgerichteten Unterrichtsstils wurden unsere Schüler*innen für ihr Engagement und die aktive Beteiligung ausdrücklich gelobt. Dann gab es auch noch Zeit, in Kleingruppen eigenständig und kreativ an individuellen Projekten zu arbeiten.



Am Dienstag führte ein Ausflug zum Forte di Bard in den Alpen. Die spektakulär gelegene Festung verdeutlicht die geopolitische Bedeutung der Region – sowohl für den europäischen Handel als auch für militärische Auseinandersetzungen, etwa zur Zeit Napoleons. Anschließend ging es weiter nach Aosta, wo die Schülerinnen und Schüler in binationalen Teams an einer Rallye teilnahmen und kleine digitale Ergebnisse in Form von Fotos oder kurzen Filmen erstellten.




Der Donnerstag stand im Zeichen der Kultur- und Industriegeschichte Turins. Die Stadt, einst Königsresidenz, spielte eine zentrale Rolle in der Demokratisierung Italiens und beherbergte das erste italienische Parlament. Zudem wurde Turin zu einem wichtigen Zentrum der Industrialisierung, insbesondere durch Fiat, und ist bis heute ein Beispiel für tiefgreifenden Strukturwandel. Ein Höhepunkt war der Aufstieg in den über 160 Meter hohen Turm der Mole Antoniellana mit weitem Blick über die Stadt bis zu den Alpen. Im gleichen Gebäude erzählt das Kinomuseum die Geschichte des Films von frühen analogen Zeichnungen bis zum modernen Kino von heute.


Auch kulinarisch bot die Woche vielfältige Eindrücke – sowohl bei gemeinsamen Mahlzeiten in der Großgruppe als auch in den Gastfamilien. Dabei ergaben sich zahlreiche Gelegenheiten, Italienerinnen und Italiener unterschiedlicher Hintergründe kennenzulernen und dabei sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede wertzuschätzen. Sprachlich bewegten sich die Jugendlichen flexibel zwischen Englisch, Italienisch und Deutsch hin und her.



Das Thema Klimawandel war präsent beim Besuch der World‑Press‑Photo‑Ausstellung in Pinerolo.. Die eindrucksvollen, preisgekrönten Fotografien zeigten einerseits die globalen Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels, aber auch Wege, diesem Prozess entgegenzuwirken.

Ermöglicht und gefördert wurde das vielfältige Programm voller interessanter, berührender Begegnungen und neuer Erfahrungen durch Mittel des Eramus-Programms der Europäischen Union. Und dass dieser Austausch gelungen ist, ließ sich am Ende klar erkennen, denn wieder war Trennungsschmerz zu spüren!

